Kind und Ziege auf dem Arm

Nepal! Ein Land, das mich fasziniert!

Posted: 20. Juni 2018 by Reiselustique

Ich denke sehr gerne an meine Reise nach Nepal zurück. Als ich Nepal nach meiner Indienreise besuchte, war ich sehr überrascht, wie spirituell dieses Land doch ist. Selbst in Indien ist mir so viel Spiritualität nicht begegnet. Ich war von Anfang an total erstaunt von dem, was das Land zu bieten hat. Es ist zwar eines der ärmsten Länder der Welt, aber wahrscheinlich auch eins der schönsten Länder der Welt.

Über den Landweg von Indien nach Nepal

Nach Nepal sind wir über den Landweg von Indien in einer 19-stündigen Busfahrt angereist. Die Grenzüberquerung ist in etwa so wie die Deutsch-Holländische Grenze. Einfach und leicht zu übersehen. Erst einmal haben wir uns unseren Exit Stempel an der indischen Grenze in Karhabitta setzen lassen und sind dann über eine kleine Brücke rüber nach Nepal, um uns dort unser Visa-on-Arrival in den Pass setzen zu lassen. Ab diesem Zeitpunkt haben wir eine Aufenthaltserlaubnis von 30 Tagen in Nepal.

Noch am selben Tag haben wir uns in einen Nachtbus nach Kathmandu gesetzt, bei der uns eine 12-stündige Fahrt bevorstand (am Ende waren es 19 Stunden). Nepals Straßen sind ein Abenteuer, so viel sei schon mal gesagt! Auf solchen schlechten Straßen bin ich noch nie gefahren. Zum allen Übel, haben wir den Sitzplatz auf der vorletzten Reihe, direkt über dem Reifen bekommen, daher war die Fahrt für uns noch viel holpriger. Bei jeder Erhebung sind wir regelrecht aus den Sitzen gesprungen. Nicht einmal das Busfenster auf der Seite unserer vorderen Mitinsassen hat den Straßen standgehalten, denn so ziemlich zu Beginn der Fahrt hat sich das gesamte Busfenster gelöst und ist auf der Straße zersplittert. Den Busfahrer schien dies nicht zu stören und er fuhr in einem Tempo weiter als wäre nichts passiert. Blöd nur, dass uns noch die ganze Nachtfahrt bevorstand und uns der kalte wehende Wind für die nächsten 15 Stunden im Gesicht stand.

Ankunft in Kathmandu

Von Kathmandu haben wir im Vorfeld schon viel gehört. Vermüllt, laut, zerstört und nicht lohnenswert soll es sein. Keine Frage den ersten drei Punkten stimmen wir zu, dennoch ist Kathmandu lohnenswert, das steht für uns außer Frage.

Kathmandu ist bunt, staubig und zugleich schön. Es gibt in und drum herum so viel historisches zu sehen. Die Tempelanlagen sind beeindruckend. Die Spiritualität des Landes spürt man an jeder Ecke. Das touristische Viertel Thamel hat viele Shoppingmöglichkeiten und leckere Restaurants zu bieten. Preislich ist diese Ecke natürlich nicht die günstigste, denn die Preise sind an die Touristen orientiert, aber auslassen sollte man Thamel auf keinen Fall. Vor allem nicht die „deutschen Bäckereien“ mit ihren leckeren Backwaren. Ich war aus allen Häuschen, als ich eine Brezel im Schaufenster sah. Nach 4 Monaten mal wieder etwas leckeres vom Bäcker essen. Da ist mir das Wasser im Mund zusammengelaufen. Und während ich das niederschreibe denke ich schon wieder an eine leckere Butterbrezel 🙂

Ich vergleiche Nepal immer gerne mit Indien. Beides Nachbarländer und einen ungefähr gleichen Standard. Allerdings hat mich Nepal sehr überrascht, denn die nervigen Preisverhandlungen und das ständige angesprochen werden hält sich in Nepal in Grenzen. Während in Indien jeder Preis, den man gesagt bekommt völlig überzogen scheint, scheint es in Nepal genau das Gegenteil zu sein. Außerdem haben wir uns in Nepal zu jeder Zeit sicher gefühlt.


Weiterfahrt nach Pokhara

Pokhara ist eine saubere, schöne und ruhige Stadt westlich von Kathmandu, allerdings auch sehr touristisch. Pokhara hat einen schönen See mit vielen umliegenden Restaurants und Cafés. Es gibt eine riesen Auswahl an westlichen Gerichten und auch sonst scheint der Tourismus hier schon längst angekommen zu sein. Am schönen See kann man entspannen oder eine nette Kanufahrt unternehmen. Pokhara ist Ausgangspunkt für viele Trekking Touren. Das erklärt auch den hohen Ansturm der Touristen. Auch wir haben eine Trekking-Tour geplant und haben noch vor Beginn des Trecks unser 30-tägiges Visum um 15 Tage verlängert.

Pokhara Lake


Trekking in Nepal

Wer vor seiner Nepal Reise nicht daran gedacht hat Trekken zu gehen, der wird es spätestens bei Ankunft in Kathmandu tun. Gefühlt jeder Tourist unternimmt hier mindestens eine Trekking-Tour. In Kathmandu sprießt es regelrecht vor Outdoor Geschäften mit gefälschter Billigware, was nicht unbedingt heißt, dass alle Sachen schlecht sind. Überall ragen die North Face und Jack Wolfskin Jacken, Hosen, Schuhe etc. raus. Spätestens hier kommt man auf den Genuss sich die Trekking-Touren näher anzuschauen. Die Touren unterscheiden sich hauptsächlich von der Dauer. Beispielsweise gibt es kurze Wanderungen von 3-7 Tagen oder längere Wanderungen von 14-21 Tagen. Es gibt eine Menge Touren mit und ohne Guide. Die Auswahl, welche Tour die bessere für einen ist, ist auf keinen Fall leicht. Wer genügend Zeit hat, so wie wir, der wählt höchstwahrscheinlich die Annapurna Circuit Wanderung mit einer Dauer von 14-21 Tagen. Gut eingedeckt mit neu gekaufter Trekking Ausrüstung, haben wir unsere mehrwöchige Wanderung gestartet.

Den Beitrag zum Annapurna Circuit Trek kannst du hier lesen.

Trekking in Nepal

Besuch eines Klosters in Kathmandu

Unsere knapp 3-wöchige Trekking-Tour hat uns ganz schön viel Energie gekostet, deshalb wollten wir unsere Reserven an einem ruhigen Ort wieder auffüllen und haben insgesamt sechs Tage in einem schönen Kloster in Kathmandu verbracht. Diese sechs Tage haben wir mit einem Fasten-Retreat kombiniert, um unseren Körper ein wenig zu reinigen.

Dabei handelt es sich nicht um ein klassisches Fasten, wie wir es kennen, sondern um eine Tradition, die im Buddhismus ein Mal im Jahr, drei Wochen vor Buddhas Geburt, praktiziert wird. Das Retreat nennt sich Nyan nä und es geht hier nicht nur um das Fasten, sondern hat eine viel größere Bedeutung. Nyang nä ist eine unglaublich kraftvolle Praxis der körperlichen aber auch der geistigen Reinigung. In erster Linie geht es darum, sich vom negativen Karma, welches einem in die Wiege gelegt wurde und man sich durch vergangene Handlungen selbst zugetragen hat, zu befreien, Krankheiten zu heilen und sein Herz für Mitgefühl zu öffnen.

Das Fasten-Retreat hat einen strukturierten Tagesablauf, welches Fasten, Gebote, Niederwerfungen, Gebete, Mantra-Rezitation und Opfergaben beinhaltet. Es wurde am ersten Tag des Retreats nur eine Mahlzeit serviert und wir durften den ganzen Tag, soviel wie möglich trinken. Am zweiten Tag wurde weder gegessen, noch getrunken noch gesprochen. Am dritten Tag wiederholte sich das Ganze. Man erhielt nur eine Mahlzeit am Tag, aber durfte so viel trinken wie möglich, am vierten Tag wiederum weder essen, noch trinken, noch sprechen u.s.w. Das Prinzip ist immer dasselbe.

Der Tag startete sehr früh morgens um 03:00 Uhr und endete um 17:00 Uhr. Gemeinsam saßen wir mit 200 Nonnen im Gebetssaal (Gompa) und haben uns ihrer Meditation, Gebeten und Mantren angeschlossen. Ein ausgehändigtes Nyang Nä Praxisbuch, begleitete uns und gab uns genauste Anweisungen, wie wir etwas auszuführen haben.

Obwohl wir einige Tage kaum was gegessen haben und sogar jeden zweiten Tag weder Essen noch Getränke zu uns nahmen, haben unsere Körper ziemlich viel Energie verspürt. Das Fasten-Retreat hat uns unglaublich gut getan. Wir hatten die Möglichkeit abzuschalten und nach dem anstrengenden Treck runter zu kommen. Wir hatten mal wieder viel Zeit am Tag, sich auf uns und unseren Körper zu konzentrieren. Haben viel gelesen und unseren Horizont erweitert. Mal wieder eine tolle Erfahrung, mit der wir zu Hause mit Sicherheit nie in Berührung gekommen wären.


Bye Bye Nepal

In unseren 1,5 Monate in Nepal haben wir so viel neues erlebt. Wir waren mehrere Wochen im Himalaya wandern, haben extrem starken Klima- und Höhen-Vehältnissen in den Bergen standgehalten. Haben unbekanntes Essen probiert, körperliche Grenzen erfahren, haben an Ritualen und Zeremonien teilgenommen, haben uns neue Religionen und Sitten angesehen, haben Zeit in einem Kloster verbracht, neue Interessen und Leidenschaften entdeckt u.v.m. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir wieder kommen. NAMASTE <3

 

 

 

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