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Indien Reisebericht: Ein Land der krassen Gegensätze

Posted: 24. Mai 2018 by Reiselustique

Schweren Herzens habe ich Sri Lanka verlassen und mich auf den Weg nach Indien gemacht. Mit einem gemischten Gefühl bin ich an den Flughafen Colombo gefahren, um in den Flug nach Goa einzuchecken. Indien war für mich schon immer ein Land, vor dem ich total viel Respekt hatte. Es ist ein Land voller Gegensätze, voller grandioser und grauenvoller Geschichten, voller schöner und hässlicher Seiten und entweder man liebt es, oder man hasst es. Eines schon mal vorab, auf meiner Indien Reise habe ich einige kennengelernt, die nach ihrer ersten Indien Reise, immer wieder hier her zurückgekehrt sind.

Der Start ins Indien Abenteuer

Der Start war schon mal kein leichter. Am Check-in-Schalter in Colombo wurden für die Einreise nach Indien zig Dokumente geprüft. Neben dem Visum musste ich ein Weiterflugticket nachweisen sowie eine indische Adresse und eine Kontaktperson in Indien angeben. Außerdem musste die Flugbestätigung in ausgedruckter Form vorliegen und die Kreditkarte vorzeigen, mit der der Flug gebucht wurde. Zum Glück hatte ich alle Papiere und Informationen beisammen, was allerdings nicht jeder von sich behaupten konnte, denn ich sah einige Passagiere, die den Check-in Schalter verzweifelt verließen und den Flug nicht antreten konnten.

Im Flieger nach Indien

Im Flieger nach Goa habe ich mir gewünscht, dass das Reisen in Indien genauso einfach ist, wie das Reisen in Sri Lanka. Schon bei der Zwischenlandung in Bangalore und der indischen Bürokratie habe ich mich von diesem Gedanken verabschiedet. Die erneute Prüfung aller Visumunterlagen beanspruchte ganz schön viel Zeit und so kam ich erneut ins Schwitzen, ob ich an alles gedacht habe. Nachdem ich meine Fingerabdrücke da lassen musste, wurde ich an der Einreisekontrolle durchgewunken und kam am Security Check an. Hier werden Frauen und Männer in getrennten Bereichen gescannt. Frauen unter verschlossenen Vorhängen. Nach dem Stempel auf den Boardingpass darf ich diesen merkwürdigen Körpercheck in der Kabine verlassen, und mein bereits gescanntes Handgepäck in Empfang nehmen. Außer die Elektronik, die wird generell immer noch einmal auseinander genommen, um sicherzugehen, dass ja nichts faul ist. Als sei dies nicht schon genug gewesen, werde ich inklusive Handgepäck kurz vor dem Boarding Gate noch einmal gescannt. Meine gerade eben gekaufte Wasserflasche wurde mir wieder abgenommen. Klasse 🙂

Der Kulturschock in Indien

Der Kulturschock in Indien ist mit Sicherheit für jeden der Indien das erste Mal bereist groß. Selbst der Besuch anderer asiatischer Länder helfen nicht, besser in Indien klarzukommen. Indien ist eine Klasse für sich und deshalb hilft es, sich Zeit für die Eindrücke zu lassen. Manche Eindrücke haben mich noch bis in die Nacht verfolgt, so habe ich beispielsweise für bettelnde Kinder ein ganz großes Mitgefühl, denn ich möchte ihnen gerne alles geben, was sie benötigen, auch wenn ich weiß, dass man ihr Betteln nicht unterstützen soll. Kinder sollen in die Schule gehen und nicht zum Betteln auf die Straßen geschickt werden.

Die Tiere auf den Straßen streunen auf Müllhalden herum, um nur irgendwas Essbares zu finden. Unter dem Essbaren zählen unter anderem auch Plastik- und Papierreste. Abgemagerten Straßenhunden, die dem Tod nahe sind, möchte man helfen aber man ist irgendwie machtlos. So gerne würde ich allen Hunden und Kindern ein schönes zu Hause geben.

Der ganze Müll auf den Straßen machte mich oft fassungslos. Wie kann man seine Umgebung und sein zu Hause so vernachlässigen und verdrecken, dass schon alleine der Gestank einen davon abhielt, nur eine Minute dort zu verweilen.

Die armen Menschen versuchen mit allen Mitteln ein paar Rupien zu verdienen, und so verkaufen sie jede Kleinigkeit oder bieten Rikscha Fahrten an, bei denen sie ihre Insassen mit ihrer letzten Kraft in den Armen durch die Gegend ziehen, während andere mit motorisierenden Rikschas wild und katastrophal durch die Gegend düsen.

Indische Lebensumstände haben mich schockiert und selten war ich so sprachlos wie in Indien. Ich kenne keinen, den diese Eindrücke kalt gelassen haben. Und trozdem, kann Indien mit seiner ganz anderen Seite und mit der Schönheit des Landes überraschen.

Positiv überrascht von Indien

Auch wenn der Kulturschock tief saß, hat mich Indien wirklich positiv überrascht. Indien ist so vielseitig und interessant, dass auf einer Reise durch Indien eigentlich für jeden etwas dabei ist. Die Reise kann so abwechslungsreich gestaltet werden, dass kein Tag dem anderen gleicht und genau diese Abwechslung hat es mir angetan. Hinzu kommt die Spiritualität in diesem Land. Die Angebote von Meditation, Yoga, Ayurveda, Kräuter usw. sind genau mein Ding, weshalb ich schon alleine aus diesen Gründen noch einige Monate hätte bleiben können.

Kulinarisch hat Indien einiges zu bieten. Ich könnte hier den ganzen Tag nur essen, vorausgesetzt das Essen ist nicht zu scharf gewürzt. Das muss ich bei meiner Bestellung sicherheitshalber immer dazu sagen. Nirgendwo haben wir schlecht gegessen, wenn dann war nur zu wenig 🙂 Ich würde sogar sagen, es ist das beste Essen der Welt.

Obwohl die meisten Inder selbst sehr wenig besitzen, sind sie sehr zuvorkommend und gastfreundlich. Sie bieten dir alles an, nur um deinen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.

Indiens Landschaft ist genial. Von der Wüste, über den Strand zu den Urwäldern bis hin zum Himalaja. Man kann zwischen einem Strand- und Aktivurlaub entscheiden, oder man macht einfach beides.

In Indien kann man relativ günstig Reisen, so kann man auch mit kleinem Budget viel vom Land sehen und sich ggfs. sogar einen privaten Guide leisten.

Die Verständigung auf Englisch ist oft unproblematisch. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Sprachen in Indien, ist Englisch eine Amtssprache und so können die meisten Inder gutes bis sehr gutes Englisch. Nur an den indischen Akzent muss man sich gewöhnen.

Indien auf eigene Faust bereisen

Indien ist definitiv kein einfaches Land zum Bereisen. Aufgrund der Größe des Landes ist man stundenlang unterwegs. Für die guten Plätze im Zug muss man die Tickets bereits Monate im Voraus reservieren. Die Busfahrten sind eine nervenaufreibende und wackelige Angelegenheit und wer schnell reisekrank wird, für den sind die kurvenreichen Straßen und die rasanten Überholmanöver definitiv nicht von Vorteil.

Wer zuvor bereits schon mal in Asien war, kennt zumindest die chaotischen und hygienischen Verhältnisse. All dies ist jedoch nicht mit Indien zu vergleichen, denn in Indien ist alles ca. 100 Mal so intensiv und anders. Es hängt allerdings auch immer ganz stark davon ab, wo in Indien man sich befindet, und zwar in welchem Bundesstaat und vor allem in welcher Gegend. Jeder Staat hat andere Lebensweisen, Kulturen, Traditionen, Menschen, Gerichte, klimatische Bedingungen etc. Demnach ist es je nach Bundesstaat schwieriger oder einfacher von A nach B zu kommen oder sich mit den Menschen zu verständigen. Im Staat Goa oder Kerala beispielsweise war das Reisen und die Verständigung ziemlich einfach, während es im Staat Westbengalen deutlich mehr Schwierigkeiten gab.

Noch nie habe ich ein Land so unterschiedlich kennengelernt. Während in Goa zwar heiße aber trockene Temperaturen herrschten und der russische Massentourismus die Inder dazu bringt sich sehr gute Russischkenntnisse anzueignen, fühlte man sich in Goa sehr sicher. Zudem bricht Goa jede indische Tradition und Glaubensrichtung, denn jeder Zweite läuft hier in kurzen Hosen und knappen Oberteilen herum.

Ein totales Gegenteil zu Goa ist Kolkatta im Staat Westbengalen. Von Touristen kaum besucht, fiel ich hier besonders durch meine weiße Hautfarbe auf. Am liebsten wäre ich dort verschleiert und in den weitesten Klamotten und Tüchern rumgelaufen, um mich irgendwie unauffälliger zu machen. Sicher fühlte ich mich dort nicht, sodass ich meine Handtasche den ganzen Tag total verkrampft vor meinem Körper festgehalten habe. Das wahre Indien, was in Goa fehlt, findet man in Kolkatta. Die englische Sprache wird selbst von den Mitarbeitern in den Unterkünften kaum gesprochen und so ist man etwas mehr auf sich allein gestellt.

Der nördliche und regnerische Teil Westbengalens sowie der Staat Sikkim hat mit Indien so gut wie nichts mehr zu tun. Hier herrscht eine nepalesisch- tibetische Kultur und man ist dem Himalaja ganz nahe. Nicht nur die Temperaturen, sondern auch die hier lebenden Menschen haben eine ganz andere Mentalität. Ihre Landessprache ist Nepali. Sogar der laute, chaotische Verkehr ist hier Fehlanzeige, denn das Hupen ist größtenteils untersagt und der Verkehr ist geregelt. Es ist wie ein Geschenk für die Ohren, seelenruhig die Straße entlang zu laufen, ohne angestarrt, angesprochen oder angehupt zu werden. Definitiv nicht das Indien, das ich bis hier hin kennengelernt habe. Die hier lebenden Inder und Nepalesen genießen eine gute Ausbildung und die Verständigung mit den Einheimischen stellt gar kein Problem dar. Sikkim zählt zu meinem Lieblingsgebiet in Indien.

Einige Reisende entscheiden sich für einen einen privaten Fahrer, der den ganzen Tag an ihrer Seite ist und wie ein Guide fungiert. Es ist mit Sicherheit nicht verkehrt einige Ecken Indiens mit einem indischen Guide, der sich in der Gegend gut auskennt, zu bereisen. Vor allem dann, wenn man sich etwas unsicher ist, Indien auf eigene Faust zu erkunden. In manchen Situationen hätte ich mir gewünscht einen Muttersprachler dabei zu haben, der mir aus manchen Situationen heraushilft, Übersetzten oder Tipps geben kann. Wiederum kam es für mich nicht in Frage, auf jemanden angewiesen zu sein oder mich nach dem Plan eines Anderen zu richten. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

Um es kurz zusammenzufassen. Indien muss mal wollen! Durch Indien zu Reisen ist eine Herausforderung und ich empfehle eine gute Recherche und Planung vor jeder Indien Reise!

Fazit Indienreise – Machen oder lieber sein lassen?

Wie schon erwähnt, die einen lieben es, die anderen verspotten es. Es kommt wirklich immer darauf an, wo man gerade ist und welche Menschen einen umgeben. Indien hat mit vielen Vorurteilen und Negativberichten zu kämpfen. Woran denkt man als Erstes, wenn man an Indien denkt? An die mangelnde Sicherheit? Die minderwertigen Frauen? Die Slums und die Armut? Bollywood? Krankheiten? Ja genau so ist es!

Herzlichen Glückwunsch an die Medien, die es immer wieder schaffen, ein Land nur von seinen negativen Seiten zu zeigen, ohne die vielen positiven Dinge in den Vordergrund zu stellen.

Bei meiner Reise durch Indien habe ich wunderschöne Orte besucht, habe die kulturelle und kulinarische Vielfalt kennengelernt, in authentischen und kleinen Homestays übernachtet, die Strand-, Dorf- sowie die Bergwelt kennengelernt. Weitere Highlights waren die Kanutour durch die Backwaters in Kerala, das Leben in einem indischen Dorf, die Ausflüge ins indische Himalaja, der Aufenthalt in der magischen Stadt Hampi, mein 10-tägiger Vipassana Meditations Kurs sowie die netten und hilfsbereiten Menschen, die mir auf meiner Reise durch Indien begegnet sind.

Es gibt so viel mehr Reiseerlebnisse in Indien, wie z.B. die hellen Farben und interessanten Details des Alltagslebens, die Vielfalt der Religionen und der Bräuche, die Landschaften und die Natur, die Architektur und die interessanten Geschichten dahinter, die Dynamik der jungen Generationen und die Weisheit der älteren Menschen – das alles macht Indien zu einem Erlebnis des Lebens.

Indien ist so viel mehr als die negativen Berichte in den Medien. Man muss sich einfach auf den Weg machen, um dies herauszufinden.

Meine zweimonatige Indienreise war jedenfalls zu kurz, um solch ein großes Land kennenzulernen. Auch wenn ich viel gesehen und erlebt habe, habe ich “nur” an der Oberfläche gekratzt. Ich werde auf jeden Fall eines Tages wieder zurückkehren. Ich liebe Indien!

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