Transsibirische Eisenbahn Reiselustique

Abenteuerreise Russland

Posted: 7. Januar 2018 by Reiselustique

Eine Reise durch Russland – Mit der Transsibirischen Eisenbahn ins Altai Gebirge und zum Baikalsee

Es war schon immer ein großer Wunsch von mir mit der Transsibirischen Eisenbahn durch Russlands Weiten zu fahren und dabei die russische Kultur so richtig kennenzulernen. Wer schon einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn unterwegs war, weiß, was das für eine intensive und unglaublich tolle Erfahrung ist. Man lernt innerhalb kürzester Zeit so viele unterschiedliche Menschen kennen und ist froh um jede Erfahrung, die man in der Transsibirischen Eisenbahn gesammelt hat.

Das Ticket für die Transsibirische Eisenbahn solltest Du vorab online besorgen. Du solltest dir vor der Buchung Gedanken machen in welcher Wagenklasse und in welchem Bettabteil (unteres oder oberes Bett) du unterkommen möchtest. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Auf dem unteren Bett muss Du Platz für die Abteilgenossen machen und kannst dich nicht nach Lust und Laune ausbreiten, dafür hast Du aber eine Ablage, einen Tisch und Dein Gepäck immer griffbereit. Auf dem oberen Bett kannst Du dich aufgrund der niedrigen Höhe nicht aufrecht hinsetzten und bist zum Essen und Sitzen auf den unteren Nachbarn angewiesen. Zudem kommst Du nicht so einfach an dein Gepäck ran, denn das liegt verstaut über Dir. Dafür kannst Du dich im oberen Bett einfacher zurückziehen und dich ausbreiten, wann immer Du das möchtest.

Möglicher Verlauf einer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn

Meine Reise startete in Moskau. Ich sah mir Moskau an einem Tag an und bin direkt weitergezogen, um keine Zeit zu verlieren. Eine Stadt wie Moskau kann man sich schließlich jederzeit ansehen. Die moderne Stadt und die imposanten Kirchen sind beeindruckend, allerdings wollte ich nicht das moderne Russland sehen, sondern das echte, authentische und alte Russland.

Auf dem Weg nach Novosibirsk lohnt es sich, die Zugstrecke nicht einfach durchzufahren, sondern an sehenswerten Städten Russlands einen Halt für mindestens einen Tag einzulegen. Empfehlen kann ich da die Städte Kasan, Jekaterinburg und Omsk.

Transsibirische Eisenbahn Moskau nach Novosibirsk

Bis hierhin hast Du schon einige russische Ortschaften gesehen. Spannender wird es, wenn Du dich Sibirien näherst, denn je näher Du kommst desto grüner und gewaltiger werden die Gebirge. Sibirien fängt am Ural an. Sagt jemand man Sibirien, fällt vielen dazu „Kälte“ und „Schnee“ ein. Dabei kann es in Sibirien im Sommer weit aus über 30 Grad warm werden. Wer einen etwas anderen Urlaub wünscht, für den lohnt es sich durchaus, mal einen Sommerurlaub in Sibirien einzuplanen. Weitere lohnenswerte Stopps mit der Transsibirischen Eisenbahn ab Novosibirsk sind Krasnojarsk, Irktutsk und Ulan-ude.

Weiterfahrt ins sibirische Altai Gebirge

Von Novosibirsk stieg ich in den Bus nach Barnaul, die Hauptstadt der Region Altai. Eine traditionelle russische Stadt, welche ich mir genauso vorgestellt habe. Hier war es! Das echte und alte Russland das ich gesucht habe und ich war plötzlich mittendrin. Viele Gebäude sind nur teilweise modernisiert. Die Straßen haben viele große Schlaglöcher und die Autos sind sehr abgenutzt. Viele Wohnhäuser sind renovierungsbedürftig und die Menschen ticken anders. In Barnaul ist alles nicht so, wie wir es aus Deutschland kennen. Zudem ist hier alles so günstig und lässt einen doppelt und dreifach die Währung umrechnen. Ein Tag in Barnaul ist genug, um sich ein Bild von der Stadt zu machen und anschließend in die umliegende Landschaft aufzubrechen. Daher ging es für mich am nächsten Tag 6 Stunden weiter mit dem Bus in den sibirischen Teil des Altai Gebirges.

Altai Gebirge und die russische Taiga

Endlich angekommen im Altai Gebirge war mir sofort klar, dass dies ein Highlight meiner Reise werden wird. Das Altai Gebirge erstreckt sich über Russland, Kasachstan, China sowie der Mongolei und hat eine beeindruckende und unberührte Landschaft zu bieten. Das einzige Problem ist, das man sich nicht so leicht entscheiden kann, welche Orte man auf der Reise durch das Altai Gebirge besuchen möchte.

Vielen Orten im Altai Gebirge sagt man besondere Kräfte nach. So gibt es heilige, Glück bringende und magische Stätte, welche von Einheimischen oder Menschen aus der ganzen Welt besucht werden. Diese Kraftorte geben den Menschen einen besonderen Glauben an etwas und es ist schwierig sich nicht davon mitziehen zu lassen. Ob meine Wünsche in Erfüllung gehen? Das werden wir sehen. 🙂

Auf meiner Reise durch das Altai Gebirge beschloss ich eine 5-tägige Pferdetour durch die russische Taiga zu machen. Jeden Tag schlugen wir unsere Zelte an einem anderen Ort auf und kamen so unserem Ziel, dem See Manas immer näher.

Wir ritten mitten in die Berglandschaft hinein, rechts und links umgeben von meterhohen Pflanzen und Gräsern, wilden Pferde- und Kuhherden sowie essbaren Wildkräutern. Gelegentlich passierten wir abgeschiedene aber bewohnte Dörfer. Die Menschen dort haben sehr wenig zum Leben. Das Geld spielt keine große Rolle. Das Trinkwasser wird aus dem Fluss oder einem Brunnen geholt. Lebensmittel werden im eigenen Garten angebaut. Ich frage mich noch immer, wie die Menschen in diesen Dörfern in ihren Holzhäuschen die sibirische Kälte überwintern?

Am vorletzten Reittag haben wir den höchsten Punkt von 2200 Metern auf unserer Route erreicht und unsere Zelte aufgeschlagen. Mit viel Proviant in den Taschen und den gesammelten essbaren Kräutern und Beeren, haben wir unser tägliches Abendessen am Feuer zubereitet. Die gemeinsame Essenszubereitung, das gemeinsame Sitzen und (Tee-)trinken nahm einen wichtigen Stellenwert im Tagesablauf ein.

Der 5-tägige Reitausflug war ereignisreich, abenteuerlich aber auch anstrengend. Die ständig wechselnden Wetterbedingungen erschwerten das Reiten, brachten aber auch viel Abwechslung in den Tag. In sachen Kleidung solltest Du auf jeden Fall für jede Wetterlage ausgerüstet sein. Wer eine Reise nach Sibirien plant, darf sich das Altai Gebirge auf keinen Fall entgehen lassen.

Weiter mit der Transsibirischen Eisenbahn zum Baikalsee

Nach meinem Besuch im Altai Gebirge, setzte ich meine Abenteuerreise zum Baikalsee fort. Von Chemal fuhr ich mit dem Bus zurück nach Novosibirsk, von wo ich mich erneut in die Transsibirische Eisenbahn setzte, diesmal in Richtung Irktutsk. Die Fahrt dauerte zwei Tage und gab mir viel Gelegenheit mich von dem Reitausflug auszuruhen. Ich habe auf dieser Strecke keinen Halt mehr eingelegt und bin bis nach Irkutsk durchgefahren.

Die unterschiedlichen Zeitzonen, die die Transsibirische Eisenbahn durchfährt, können für etwas Wirrwarr sorgen. Du musst die Ab- und Ankunftszeit immer in lokale Zeit umrechnen, denn in den Zügen und an den Bahnhöfen tickt die Uhr nach Moskauer Zeit. Keine Sorge, du verpasst deinen Zielbahnhof nicht, denn die Zugbegleiterinnen (Provodniza) erinnern dich rechtzeitig daran bald auszusteigen, das Bettzeug abzuziehen und für die nächsten Passagiere vorbereitet zu sein.

Die Transsibirische Eisenbahn ist früh am Morgen in Irkutsk eingefahren. Alternativ kannst du Ulan-Ude als Zielhaltestelle für die Weiterfahrt zum Baikalsee wählen. Um von Irkutsk zum Baikalsee zu kommen, habe ich einen Anschlussbus mit einer Fahrdauer von ca. 6 Stunden inkl. kurze Fährenüberfahrt zur Insel Olchon bereits im Voraus gebucht. In einem privaten Minivan wurden wir von einem verrückten russischen Fahrer, à la Speedy Gonzales, zur Insel Olchon gebracht. Das war bis dahin mit Abstand eines meiner schnellsten und angsterregendsten Autofahrten, die ich je erlebt habe. Wir kamen zum Glück alle heil auf der Insel Olchon an.

Die Insel Olchon am Baikalsee

Die Recherchearbeiten gestalteten sich gar nicht so einfach etwas über die Transportmöglichkeiten, die Unterkünfte und Ausflüge in Olchon am Baikalsee im Internet zu finden. Alles was man fand, waren überteuerte touristische Angebote. Bei meiner Recherche ist mir auch entgangen, dass man nur durch unbefestigte Straßen und Schotterpisten zur Insel Olchon gelangt. Aber auch diese Straßenkonditionen haben den Fahrer nicht davon abgehalten, wie wild zu fahren. Durchgerüttelt und geschüttelt kam ich im Ortsteil Chuschir an und machte sofort einen kleinen Spaziergang durch die sandige und staubige Ortschaft.

Beeindruckt von der Einzigartigkeit der kleinen Ortschaft, kam ich nach wenigen Minuten bereits am Schamanenfelsen an – das typische überall zu sehende Baikalbild. Nicht weit davon entfernt befindet sich der lange Sandstrand mit zwei Saunen direkt am Strand. Für den Winter sind die Saunen mit Sicherheit eine tolle Sache, für den Sommer allerdings etwas merkwürdig. 🙂 Dazu sei gesagt – wer noch nie in einer russischen Sauna (Banja) war, für den bietet Sibirien die perfekte Gelegenheit dafür.

Der Baikalsee gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe und trägt diesen Namen mit aller Ehre. Die Menschen in Chuschir leben hauptsächlich vom Fischfang sowie der Land- und Forstwirtschaft. Vieles wird im eigenen Garten angebaut. Das Wasser kommt direkt aus dem Baikalsee und die meisten Toiletten heißen noch Plumpsklos.

Die Touren auf Olchon sind ziemlich überteuert, sodass sich diese meistens gar nicht lohnen. Eigene Wander- und Fahrradrouten sowie Spaziergänge sind besser geeignet. Selbst die angebotenen Vorführungen von Schamanenritualen sind nachgestellt und nur für Touristen gemacht. Echte authentische Schamanen und Burjaten trifft man auf den angebotenen Touren nicht.

Der Baikalsee ist ein extrem schöner und irgendwie auch magischer Ort. Die Landschaft zieht einen in den Bann. Die zahlreichen sibirischen Rituale lassen dich gerne eine Weile daran zurückdenken. Die Russen sagen, wer einmal hier gewesen ist, wird wieder kommen. Und tatsächlich denke ich darüber nach, den Baikalsee auch mal im Winter zu besuchen.

Die individuelle Rundreise durch Russland und Sibirien mit der Transsibirischen Eisenbahn zum Baikalsee – für Abenteuerlustige wie mich, ist solch eine Reise genau das Richtige. Der perfekte Mix aus Abenteuer, Erholung und Städte hat die Reise so besonders gemacht. Die sibirischen Bären habe ich leider nicht gesehen, dafür aber alles, was meine Augen hat strahlen lassen.

Russland – Gut zu wissen

  • Um das Visum zu beantragen, benötigst du den Nachweis einer Auslandskrankenversicherung, einen Lohnnachweis und 80€ für die Visagebühr.

  • Es gibt keine Moskitos am Baikalsee und im Altai Gebirge

  • Plumpsklos sind gang und gäbe

  • Russischkenntnisse sind von Vorteil. Wer das kyrillische Alphabet kann, kann sich zumindest mit dem Google-Translator weiterhelfen.

  • Sicherheit in Russland: Man kann unbehelligt unterwegs sein und sollte sich einfach wie überall auf der Welt nicht (alleine) nachts aufhalten.

  • Ein 1000 Rubel Geldschein (ca.15 €) wird so gut wie nie angenommen, daher immer kleinere Geldscheine dabei haben.

Transsibirische Eisenbahn – Gut zu wissen

  • Das Ticket rechtzeitig online reservieren

  • ​Transsibirische Eisenbahn (3. Klasse): Kurze Betten für lange Beine

  • Steckdosen gibt es nur in den Zwischengängen

  • Packe eine separate Tasche für die Fahrt, um nicht an dein Gepäck zu müssen. Packe folgendes ein: Zahnbürste, Zahnpasta, Desinfektionstücher, Creme, Lesestoff, Kopfhörer, Stift, Tempos, Haarbürste, Haargummi, Taschenspiegel, Ladekabel, Pyjama, bequeme Hose, bequemes Oberteil, Unterwäsche, Haartuch, Flip Flops, Ohropax, Gabel, Löffel. Das ist alles was du brauchst

  • Bettwäsche und ein Handtuch bekommst du gestellt

  • Tassen für warme und kalte Getränke bekommst du gegen eine kleine Kaution gestellt

  • Ausreichend Minuten-Terrinen kaufen. Heißes Wasser steht immer zur Verfügung

  • Bei längeren Stopps, kannst du dir an den Bahnhöfen essen kaufen

No Comments

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.